Rainer Werner Fassbinder wurde am 31. Mai 1945 in Bad Wörishofen geboren, lebte und arbeitete vorwiegend in München und starb dort am 10.06.1982 im Alter von 37 Jahren. Er war in seiner kurzen Lebenszeit nicht nur Regisseur und Drehbuchautor, sondern auch Schauspieler, Kameramann, Produzent, Theaterautor, Essayist und Schriftsteller.
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In seinen insgesamt 44 Filmen, darunter auch mehrteilige Produktionen für das Fernsehen, befasste sich Fassbinder vorwiegend mit der poltischen und gesellschaftlichen Situation der Bundesrepublik, mit den Lebenschancen von Außenseitern und zwischenmenschlichen Abhängigkeitsverhältnissen.
Zu seinen wichtigsten Filmen gehören Katzelmacher (1969), Angst essen Seele auf (1973), Fontane Effie Briest (1972/73), Martha (1973), Die Ehe der Maria Braun (1978), Berlin Alexanderplatz (1979/80) und sein Beitrag zum Film Deutschland im Herbst (1977/78).

Fassbinder gehört mit seinem umfangreichen Werk zu den – auch international – bekanntesten und angesehensten Vertretern des Neuen Deutschen Films und war, so lange er lebte, als Filmregisseur und Mensch umstritten.

Ein Name für unsere Schule

Am 18.Juli 2006 wurde unserer Schule, die damals noch die Ausbildungsrichtungen Sozialwesen und Gestaltung umfasste, der Name Städtische Rainer-Werner-Fachoberschule für Sozialwesen und Gestaltung verliehen. Der vom damaligen Schulleiter OStD Rainer Unglehrt (1998 – 2006) initiierte und geschickt voran getriebene Prozess der Namensgebung stieß
eher auf verdeckte als auf offen artikulierte Widerstände und wurde von Oberbürgermeister Ude wohlwollend unterstützt. Zweimal musste über die Namensgebung innerhalb der Schule abgestimmt werden; jedes Mal sprachen sich 80% des Kollegiums sowie Eltern- und Schülervertretung einstimmig für Fassbinder als Namensgeber aus. Im Schulausschuss des Stadtrats gab es schließlich keine Gegenstimme.

Kritik an Fassbinder als Namenspatron artikulierte sich vorwiegend auf Grund seines persönlichen Auftretens und seiner privaten Lebensführung. Schließlich haben Drogen und Alkohol in seinem Leben eine nicht unwesentliche Rolle gespielt; schließlich ist er nach der Einnahme von Schlaftabletten in Kombination mit Alkohol und Drogen früh verstorben.

Was den Bereich Sekundärtugenden angeht, könnte Rainer Werner Fassbinder aber trotz diverser Einwände wegen seiner Arbeitshaltung und Zielstrebigkeit ein Vorbild sein. Von seiner Sache überzeugt, konnte er andere für seine Projekte begeistern und legte bei seinen Filmen großen Wert darauf, dass eine Einstellung bereits beim ersten Drehen gelang, weil er von einer Wiederholung keine Verbesserung erwartete.

Als Namensgeber für unsere Schule bietet Fassbinder als kritischer Geist und kreativer Künstler, der sich mit sozialen Themen auseinandersetzt, Identifikationsmöglichkeiten für beide Ausbildungsrichtungen. Zudem ist die Fachoberschule eine Schulform, die auch denjenigen eine Chance bieten will, denen die Bedingungen ihres Lebens nicht von vornherein und selbstverständlich eine abgesicherte und erfolgreiche Bildungsbiografie ermöglichen. Auch dafür steht das künstlerische Werk von Rainer Werner Fassbinder.

Seit dem Schuljahr 2013/14 ist die Ausbildungsrichtung Gestaltung eine eigenständige Schule. Der Name Rainer-Werner-Fassbinder blieb bei der Ausbildungsrichtung Sozialwesen, die seither Städtische Rainer-Werner-Fachoberschule für Sozialwesen heißt.

Die Fassbinder Foundation
Die Rainer Werner Fassbinder Foundation (RWFF) ist Inhaberin aller Rechte an Fassbinders Nachlass und wurde 1986 von Liselotte Eder, der Mutter Fassbinders, gegründet und 1992 an Juliane Lorenz, die letzte Lebenspartnerin Fassbinders, übertragen.
Juliane Lorenz auf der Namensgebungsfeier„Die wichtigste Arbeit der Foundation ist es bis heute, Rainers Werk zu erhalten und zu entfalten. Wir sind froh und ein wenig stolz darauf, immer mehr Fassbinder sichtbar zu machen. Manchmal denke ich, Rainer, er sitzt da oben und lacht – lacht über all die Arbeit, die er uns macht," erklärt Juliane Lorenz.
Ihren Sitz hat die Fassbinder Foundation in Berlin und New York. Unsere Schule verbindet ein herzlicher Kontakt mit Juliane Lorenz und ihrem Team. Mehrmals war sie Gast bei uns in der Schule, mehrmals waren wir zur Berlinale eingeladen. So konnten wir die restaurierte und digitalisierte Neuvorstellung der Filme Berlin Alexanderplatz (2007) und Welt am Draht (2010) in Berlin miterleben – Erlebnisse, die bei den Lehrkräften und den Schülerinnen und Schülern, die dabei waren, einen nachhaltigen Eindruck hinterlassen haben.

Rainer Werner Fassbinder Foundation [Link ]

 

 

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